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erste OP und immer noch die Ungewissheit

Geschrieben von Stefan am 31. August 2012, 09:19:14
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5. August 2012:
Zwei von den drei Kindern haben die Feuchtblattern (es ist insgesamt ein eher misslungener Sommer) und deshalb kann die Familie mich nicht ins Spital begleiten. Verabschiedung also zu Hause, Koffer packen und alle küssen. Die neu erworbene Sonnenbrille aufsetzen und mit Bus und U-Bahn ins AKH fahren. Einchecken im AKH, Erkennungsmarke kriegen, Aufnahmegespräch mit einer sehr jungen Ärztin (welche frühkindlichen Erfahrungen führen wohl dazu, dass Menschen sich für den Beruf UrologIn entscheiden?), aufgeklärt werden über die OP kleiner Schnitt in der Leistengegend, der Hoden wird freigelegt, Gewebe entnommen, ein Schnellbefund vom Pathologen, wenn Tumor, kommt der Hoden gleich in der selben Narkose weg, wenn kein Tumor, kann er bleiben (weiß ich schon), der zweite wird diesmal bestimmt nicht entfernt (aha), wenn ein Tumor, dann aber auch dort Biopsie über den Hodensack und dann CT von Bauch und Brust, einwilligen in die OP, Hosen runter (man stumpft echt ab, was das angeht, mit der Zeit) und noch ein Ultraschall, da ist was inhomogen (geh!), man kann nicht sagen, was es ist (mhm), der zweite schaut gut aus (den hab ich auch viel lieber), noch mal Blut abnehmen, weil das erste ist verloren gegangen (aha, ich betone an der Stelle vorsichtshalber noch einmal, dass es um den linken Hoden geht), dann heute noch Narkose-Aufklärung und OP-Freigabe durch Internisten.
Narkose-Aufklärung mit einem ebenfalls jungen Arzt, der nachts betet, dass er am nächsten Tag niemandem die Zähne und Lippen demoliert beim Einführen des Tubus zum Beatmen in die Luftröhre. (Schlafen wäre vielleicht doch die bessere Strategie, solches zu verhindern) Den Vorschlag spare ich mir aber, weil er erwähnt hat, dass ich morgen den behandelnden Anästhesisten kennen lernen werde. Ob ich aufgeregt bin? Ach, na ja, was soll ich sagen, mein Gott, wenn ich mich entscheiden könnte, wäre mir ein Stein am Schädel wahrscheinlich lieber. Ob ich vor der OP eine Wurschtigkeitstablette haben möchte? Wurschti-Was? Benzodiazepin. Ah, ja, das wäre schon nett. Und heute noch was zum Schlafen? Ach nein danke, eine Nacht fürchten geht schon noch.
Dem Internisten ist fad mit mir, weil ich sonst nix hab, die OP werd ich sehr wahrscheinlich überstehen, meint er. Jedenfalls wünscht er mir Alles Gute.
Dann die erste Visite, ein älterer Arzt, der ein bisschen wirkt, als würde er - außerhalb der Dienstzeit natürlich - dem Alkohol etwas zu viel Aufmerksamkeit schenken, erklärt mir das ein Hodentumor heilbar ist (Moment, Moment, das ist ja noch gar nicht gesagt, aber okay immerhin), es sei nur die Frage mit wie viel Aufwand. Der reiche nämlich von Entfernung des Hodens und Schluss (der nette Arzt hat das doch als worst-case-Szenario beschrieben, wenn ich mich recht erinnere), über monatliche Infusionen bis zu kompletten Chemotherapie-Durchgängen. (Ja, ähm also dann schönen Dank auch für die Info.)
Den genauen Termin der OP morgen, kann mir noch keiner sagen, der Plan wird noch bearbeitet. Dafür höre ich sehr, sehr oft, dass ich ab Mitternacht nichts mehr essen und trinken darf. Dabei bin ich schon froh, dass ich was Abendessen darf, damit hab ich eigentlich nicht gerechnet. Die Nachtschwester verrät mir dann gegen 21h doch noch den OP-Termin. Ich bin an dritter Stelle, werde also so gegen 11.30 dran kommen. Okay.

6. August 2012:
Das Schlafen gestaltet sich tatsächlich etwas schwierig. Ich schlafe zwar ein, wache aber gegen halb drei wieder auf und bemerke, dass auch meine Zimmerkollegen nicht schlafen (was sie dafür tagsüber ausgiebig getan haben). Ich versuche gar nicht erst gleich wieder einzuschlafen und schlurfe in den Aufenthaltsraum, wo ich mich in eine alte Ausgabe der „Neuen Post für die Frau von heute“ (oder so ähnlich) vertiefe und erstaunliche Neuigkeiten über Roy Black erfahre (bis dato habe ich ja gedacht, dass der heimlich schwul war, aber seither weiß ich, er war heimlich hetero). Ermüdet von derlei Lektüre schlafe ich gegen vier wieder ein und werde kurz nach fünf von der Schwester geweckt, die befindet, dass mein Blutdruck zu nieder ist (ich finde es eher erstaunlich, dass ich so etwas um diese Uhrzeit überhaupt habe). Jedenfalls schickt sie mich unter die Dusche, verbietet mir nochmals etwas zu essen oder zu trinken und legt mir die OP-Uniform aufs Bett (weiße Stützstrümpfe und so was wie ein hinten aufgeschnittener, weißer Kartoffelsack).
Lange drei Stunden später (es ist jetzt 8h) bekomme ich also kein Frühstück und bin meiner Meinung nach bereit für die OP (Strümpfe und Kartoffelsack inklusive), aber ich habe immer noch meinen Ehering und meine Brille. Die muss ich versperren und den Schlüssel der Schwester geben (die Assoziation meiner Frau dazu: Damit sie, wenn sie der Witwe später die Wertgegenstände des Verstorbenen geben, nicht lange suchen müssen) Dann bekomme ich noch ein paar Infusionen über diesen Venenzugang, der übrigens doch etwas schmerzt (da hab ich allerdings noch nicht gewusst, wie das wehtut, wenn die den wieder rausnehmen), also Antibiotika und Flüssigkeit (ich darf ja nichts trinken) intravenös. Ich schaue dann noch ein, zwei Stunden dem Tropf beim tropfen zu (was ich allerdings nicht wirklich sehe kann, weil ich kurzsichtig bin und die Brille ja versperrt ist). Schließlich bekomme ich meine Benzo-Tablette und werde von einem etwas ernsten, schweigsamen, älteren Mann (man nennt diese Berufsgruppe hier Träger, Gott sei Dank sind sie weiß gekleidet und nicht schwarz, sonst käme einem leicht wieder eine andere Assoziation) in meinem Bett liegend in den OP-Bereich geschoben. Meinen Einwand, dass ich gehen, oder zumindest sitzen kann, ignoriert er schweigend. Sein verhaltenes Lachen lässt mich aber vermuten, dass er später gerade aufgrund dieser Frage viel Spaß mit seinen Kollegen haben wird. Im OP-Bereich werde ich in eine Art Warteposition geschoben, neben mir eine weitere Wartende. Wir beide werden hier einmal von allen, die da so vorbeigehen (hauptsächlich Träger, Schwestern, vereinzelte Ärzte) gründlich ignoriert. Ich merke dies meiner Leidensgenossin gegenüber an und es stellt sich bald heraus, dass auch sie die gleiche angstlösende Medikation bekommen hat. Wir unterhalten uns eine Weile trefflich über Ärzteserien, die wir beide nun nicht mehr sehen wollen. Schließlich wird sie abgeholt und kurz später kommt eine sehr freundliche Anästhesistin zu mir, die meinen Namen und mein Geburtsdatum wissen will, mich noch mal nach Allergien befragt und mir in den Hals schauen möchte. Wir klären, dass ich keinen Kreuzstich haben möchte, obwohl das möglich wäre und das nicht mit einem Tubus arbeiten wird, sondern mit einer Maske, weil ich bei den Schneidezähnen eine Ecke mit angeklebtem Material habe. Gut, kurz darauf werde ich eingeschleust. Und das geht so: Den Kartoffelsack muss ich wieder ausziehen (aber wieso??? ich dachte,… egal, keine Detailfragen jetzt), stattdessen bekomme ich eine angewärmte grüne Decke drüber (angenehm), mit einer ferngesteuerten Vorrichtung, (der Mann, der steuert, macht das offensichtlich zum ersten Mal, obwohl er diesen Umstand hartnäckig leugnet) werde ich auf eine Plattform geschoben und von dieser auf den OP-Tisch gekippt. Diesmal spare ich mir den Einwand, dass ich auch einfach aufstehen und mich auf den OP-Tisch hätte legen können. Der Träger von vorher ist nämlich auch bei dieser Aktion dabei. Im OP-Saal angekommen werde ich noch einmal nach meinem Namen und Geburtsdatum befragt und außerdem danach, was bei dem Eingriff gemacht wird. Das finde ich gut, ich wollte nämlich eh schon anmerken, dass es um den linken Hoden geht und sonst nichts: den LINKEN HODEN! Vermummte Kreaturen schnallen meine Arme an und legen Bestecke zurecht. Die Anästhesistin kommt. Ich denke mir, dass es jetzt wohl zu spät ist, um noch einmal aufs Klo zu gehen. Die Anästhesistin wünscht mir schöne Träume und spritzt mir etwas in die Vene. Jemand fragt mich, ob ich schon was spüre. Nein, ich spüre noch nichts, außer diesen schlimmen Druck auf der Blase, aber wahrscheinlich sind die solche Schweinereien eh gewohnt. Dann wird mir kurz schwindlig und ich bin weg.
Ich wache wieder auf und frage den ersten Menschen, den ich sehe, was bei der OP nun gemacht wurde. Dieser Mensch war nicht bei der OP dabei und kann mir keine Auskunft geben. Ich sei im Aufwachraum und würde es auf der Station erfahren. Ich döse wohl wieder weg und bin auch sonst recht benommen, werde immer wieder mal gefragt, ob ich Schmerzen habe, wenn ich die habe sind sie aber nicht schlimm, oder sie interessieren mich nicht. Was mich interessiert ist, ob ich einen Tumor habe/hatte oder nicht. Schließlich werde ich auf die Station gebracht. Dort frage ich die Schwester, was bei der OP geschehen ist. Die Schwester meint, sie war nicht dabei, die Ärztin werde es mir sagen. Ob ich Schmerzen habe? Nein, ich will nur wissen was bei der OP war. Statt einer Info bekomme ich eine Harnflasche, weil ich ja nicht aufstehen kann. Ich schlafe immer wieder ein, wache von Angstträumen wieder auf, Scheiß-Ungewissheit, Scheiß-Warten, Scheiß-Einsamkeit, Scheiß-Hilflosigkeit, Scheiß-Angst. Irgendwann komme ich auf den Gedanken, die Bettdecke zu heben und einfach nachzuschauen. Ich hab einen dicken Verband auf der linken Seite und so einen komischen Sackhalter um die Hüften geschnallt, schaut ein bisschen nach SM-Spielzeug aus, ist allerdings weiß, das gibt dem ganzen wieder eine etwas medizinische Note. Viel sehe ich nicht von meinem Sack. Was ich sehe, schaut aber eigentlich recht unverändert aus. Da kommt wieder eine Schwester. Ich möchte jetzt wissen, was bei der OP rausgekommen ist. Diese Schwester meint, das würde ich morgen bei der Visite erfahren. Nein, bestimmt nicht, ich warte seit Stunden, ich will es jetzt wissen, jetzt gleich, diese Ärztin soll kommen. Die hat aber noch andere Patienten und viel zu tun. Das ist mir egal, ich warte seit Stunden. Sie wird sie fragen. Na, bitte. Noch ca. eine halbe Stunde warten. Die Ärztin kommt. Sie war dabei (Fein). Sie haben das Gewebe das im Ultraschall auffällig war entfernt (Okay), von zwei Pathologen untersuchen lassen (Super), beide Befunde waren nicht eindeutig (aha), jetzt haben sie den Hoden drin gelassen (aha), wir müssen auf den Befund der ausführlichen histologischen Untersuchung warten (blödes Wort, Frau Doktor), wenn der positiv ist, noch einmal das Ganze und Hoden raus, wenn der negativ ist, kein Eingriff mehr. Und ich kann jederzeit Schmerzmittel haben, wenn ich welche brauche (im Moment scheiß ich grad auf Schmerzmittel). Ich bin erschöpft, die Anspannung, das Warten, die Ungewissheit, mein Organismus hat sich drauf eingestellt, dass es heute damit vorbei ist und jetzt soll es noch weitergehen? Das kann ich nicht glauben. Das überfordert mich, ich fühle mich leer und knochenlos, ohne Substanz, ohne Wille und ohne Energie. Schleim, der am tiefsten Punkt dieses Bettes zusammenfließt.
Immerhin darf ich nach einer Bewährungsprobe mit gezuckertem Tee, dann verspätet auch wieder Essen und irgendwoher kommt nach einem Telefonat mit meiner Frau und etwas Schlaf auch wieder ein Funken Lebensenergie. Es wird vorbeigehen.
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